Samstag, 4. Juli 2015

Wandersegelflug Tag 1 Straubing - Lienz

Alexander hatte die Idee einen Wandersegelflug in die Alpen zu unternehmen und da war ich natürlich gerne dabei. Ziel des ersten Tages Lienz.
Was man braucht ?
  • Trinksack
  • Heringe und Spanngurt zum fixieren des Fliegers
  • paar Müsliriegel
  • Aufladegerät Handy und Fliegerakku
  • Klamotten (T-Shirts, U-Wäsche, Socken)
  • Waschzeug für den Piloten und ein Leder für den Flieger
  • bei Eigenstarten Spritschlauch und etwas 2-Takt Öl fürs Nachtanken
Das ganze geht bei mir in 2 Jutetaschen, die ich bequem links und rechts hinter den Sitz quetschen kann.

Da der Bayerwald brauchbar vorhergesagt war, war der Plan wie das letzte Mal übers südliche Mühlviertel in die Alpen zu fliegen.

Flugweg Tag 1
 Um Sprit für das anspruchsvolle Projekt zu sparen machte ich recht früh um 10 Uhr den Motor vorm Pröller aus, aber wie fast immer ging der "Hausbart" auf den Schulter nördlich vom Pröller.
nördlich Pröller
Es hatte einige Wolken aber die Optik war klar besser als die tatsächlichen Bedingungen.
Die Steigwerte im Schnitt so 1.5m/s.

weiter über den Arber Richtung Lusen
 Da ich geduldig auch mal schwächere Bärte mitnahm, kam ich aber im Grund ohne viel Stress voran.
kurz vorm Moldau

über Freistadt - hier läuft es im nördlichen Mühlviertel breit
 Ab Freistadt wurden bei sehr viel Wassersäcken die Steigwerte schlechter.

bei Ottenschlag die letzten Wolken
 vor dem Sprung muss man die letzten Wolken wirklich bis auf den letzten Meter ausquetschen. Hier nehm ich mir sehr viel Zeit, die aber gut investiert war.

gleiten nach Süden in die Pampe

der Eindruck täuscht, die Wolken sind unerreichbar

hier sieht man, wie sich die Perspektive ändert, wenn man ins höhere Gelände abgleitet

hinter diesen Buckeln liegt mein Aussenlandefeld Brettl

wie schon bei der letzten Alpenquerung gefunden
 Brettl ist nicht nur eine prima Aussenlandeoption, es liegt auch schön tief, so daß man maximal viel Möglichkeiten zum ausprobieren hat, solange man sich nicht den Sprung in dieses kleine Tal verbaut.
Diesmal daher der klare Plan, ohne viel Schnörkel so tief wie möglich in die Alpen rein und aus der Talinversion raus.
Man sollte eingestehen, daß die Chance auf ein Motorziehen bei solchen Warmluftbedingungen schon >25% liegt und man sowas daher mit einem reinen Segler wahrscheinlich nie probieren würde. Ausserdem völlig unmöglich mit einem Standard oder Clubklasse Flugzeug.
Unproblematisch nur dann, wenn man eine im Flachland thermisch aktive Wetterlage hat.

kleine Fluse die für ca. 10 Sekunden auftaucht rettet den motorlosen Flug
im Grunde hab auch ich nur Glück gehabt, denn beim Einflug taucht im entscheidenden Moment eine kleine Fluse auf, die zwar sofort wieder weg ist aber ich merk mir die Position (im Prinzip mitten überm Tal ??) und nix wie hin.
Mir ist klar, daß ich bei der Höhe den Bart sofort treffen muss, aber es klappt auf den ersten Kreis und so kreise ich mich in 0.9m/s integriert aus unter 900m MSL erstmal 1100m nach oben.


das Ding ist verdammt eng !
wieso hier der Bart ??
 niemand würde mir wahrscheinlich schlüssig erklären können, warum an dieser Stelle der Bart stand. Vielleicht die windgeschützte Lage im Tal und Sonne auf dem Hang ? Normalerweise kriecht die Warmluft dann aber am Hang nach oben und löst oben ab.

super Aussenlandeoptionen unter mir

wie 500m mehr Höhe die Perspektive zum Angenehmen hin ändern können...
 danach gleite ich, Mariazell in Gleitreichweite, recht ungestüm in die Alpen zum Dürrenstein rein und erhalte prompt mit einem kapitalen Absaufer meine Quittung.
Absaufer
 man muss hier genau die Fluchtwege kennen, die Gegend ist nicht klar strukturiert.
 Man hat vielleicht theoretisch Reichweite auf ein Landefeld, kommt aber nicht mehr hin.
Mariarell liegt rechts neben dem Cockpit, ca. 11km weg, hier wäre ich trotz Geländes noch spielend hingekommen.

dann der erste 3.5m Bart nördlich Eisenerzen
 da ich auf die Alpensüdseite will, flieg ich südlich am Gesäuse vorbei auf die Tauernsüdseite. Der Übergang auf die Alpensüdseite erfolgt hier fast unmerklich, erst weiter westlich strukturiert sich den Alpenkamm durch die hohen Tauern klarer.

rechts as Gesäuse

und entlang der Tauernsüdseite nach Westen
mit der AM und dem Wolfgang hab ich kurz Funkkontakt, die basteln sich einstweilen über Hausruck und Scharnstein in die Alpen, was aber sehr schwierig war. Kommt man zu spät am Nachmittag an die Alpennordseite, saugen die Alpen bereits zu stark ab und erschweren den Einstieg zusätzlich.

Weg auf die Tauernsüdseite


Ankogel (3246m)

Blick ins Mölltal zum Großglockner

insgesamt hier die Thermik nicht gut und die Bärte sehr zerissen. Aber dafür ist die Streckenführung extrem übersichtlich und man hat bei vernünftiger Höhe bequem Gleitreichtweite auf viele Flugplätze.
Die Gegend um Lienz ist recht einfach zu fliegen.
Und ab dem Pustertal wird heute die Thermik markant besser.
Blick zurück nach Osten Richtung Pustertal und ganz rechts Liesingtal

links neben dem Cockpit die 3 Zinnen

in den Dolomiten

unter der Wolke vorne steht die Granate des Tages
 etwas östlich Corvara lockt mich eine Wolke mit unterschiedlicher Basis. Die Thermik ist so stark, daß es fast meinen Flieger auf die Seite dreht als ich dort einkreise.
>4m integriert
 mit mehr als 3800m erreiche ich dort die größte Höhe des Tages.


die Geislerspitzen

In dem breiten Tal vor mir liegt Bozen, hier wende ich.
leider hab ich von Alexander und Wolfgang nichts mehr gehört, absolute Stille am Funk. Ich mach mir Sorgen am Ende alleine in Lienz zu hocken.
Dann erreiche ich Wolfgang, der den Weg auf die Südseite wettertechnisch nicht  geschafft hat und in Zell am See landen will.
Ich kurbel mich auf der Südseite nochmal ganz nach oben und quere die Alpen beim Hohen Sonnblick.




wieder auf der Alpennordseite
 genau als ich den Gleitweg nach Zell am See antreten will erreiche ich Alexander, der nach Lienz kommen wird. Also alles wieder zurück.
hoher Sonnblick, wieder auf dem Weg nach Süden
 Dann gleit ich nur noch die Höhe ab und lande ohne eine Antwort am Funk von Lienz zu bekommen.

Endanflug übers Pustertal

Lienz - Nikolsdorf
 Aber auch ohne Antwort kann man sehen, daß eine kräftige Brise das Tal hinauf weht.
Kurze Zeit späte kommt auch Alexander mit seiner eleganten EB29 hereingeschwebt.
Endteil 12



die PK und die AM in Lienz - Nikolsdorf
kurz nach der Landung naht bereits Hilfe und wir ziehen die Flieger mit einem 50 Jahre alten Trecker vor die Halle
irgendwer hat uns wohl einschweben gesehen denn in kurzer Zeit treffen die Lokals ein und überschlagen sich förmlich vor Hilfsbereitschaft. Schnell ist eine Übernachtung in Nikolsdorf und Sprit für den Alexander organisiert.
Die Andrea vom Gästehaus Steinerhof holt uns vom Flugplatz ab und wir beenden den tollen Tag mit einer Brettljausen und einem Kaiserschmarrn und natürlich ein paar Weizen.
Das Leben kann schön sein...

IGC File und im OLC:
http://www.onlinecontest.org/olc-2.0/gliding/flightinfo.html?flightId=1431984118

Dienstag, 30. Juni 2015

Fazit Staatsmeisterschaften

Am Ende führt mich ständige Mittelmässigkeit zu einem 7.Platz (von 16).

Wertung 18m Klasse


Ehrlich gesagt bin ich trotzdem zufrieden. Es ist für einen Flachländer nicht so einfach hier mitzuhalten, besonders dann, wenn man aufgrund seiner mangelhaften Ortskenntnisse ein gewisses Mass an Vorsicht an den Tag legt.
Gegen die Lokals und die Jungs die hier seit 20 Jahren fliegen und beim Debriefung zeigen, daß sie wirklich jeden Stein hier kennen werde ich niemals eine Chance haben. Aber ich hab gerade an deren Entscheidungen und Streckenführung extrem viel dazu gelernt. Bei so einem Wetter und Basis wäre ich ohne Wettbewerb niemals dort unterwegs gewesen. Das Fliegen war wieder extrem intensiv, ganz anders als im Flachland.

Es gab, da wir ja die gleichen Tasks geflogen sind auch eine Wertung zusammen mit der offenen Klasse, die Index-korrigiert wurde:
Hier lieg ich auf Platz 10/26, punktgleich mit Alexander.


Staatsmeisterschaften Wertungstag 3

am nächsten Tag hatte sich an der Wetterlage nicht viel geändert.
Immer noch gab es einen recht böigen NW-Wind.
Wir bauten zunächst auf der 22 auf und die Clubklasse konnte noch gestartet werden als das Lee des Waldrückens nördlich so stark wurde, daß die letzte Schleppmaschine nur noch wenige Meter über die Bäume kam. Daher wurde auf die 04 umgebaut, wo zumindest dieses Lee weniger stark ist.
Hier kam der Wind dafür schräg von hinten und nach den ersten 2 Starts wurde erneut abgebrochen.
Nach weiteren 2 Stunden wurde beschlossen, daß alle das Wasser auslassen müssen um noch eine Wertung zu ermöglichen. Danach gings dann mit den Schlepps weiter. Auch mein Start war sehr turbulent und erforderte volle Ruderausschläge.
Vor dem letzten Flieger der offenen/18m Klasse wurde dann der Schlepp endgültig abgebrochen. Der Pilot zerzichtete auf seinen Start und ermöglichte dadurch erst die Wertung dieser Klasse. Man kann nur den Hut vor solchen Piloten ziehen aber auch vor der Wettbewerbsleitung die maximal flexibel reagiert hat.
Das Wetter hatte zwischendurch eher zugemacht und die Bewölkung 6/8.
Ich brauchte mal wieder länger als die anderen unter die Basis zu kommen und flog so ca. 15 Minuten später ab.
Der Task ein einfacher Out und Return nach Mayrhofen.
Out und Return nach Mayrhofen im Zillertal


Abflug unter der Basis

beste Linie genau überm Hauptkamm
 ich flieg von der Startlinie einen Südschlenker und finde dort eine recht gute Linie.

Dorfgastein im Gasteinertal
 so gehts dann weiter auf der Tauernseite des Ennstals dahin. Ich begreife nicht wirklich wo die Bärte stehen, einmal kurbel ich oben an einem Kar als die CX weiter vorgelagert und 400m tiefer noch an der Baumgrenze einen Hammer zieht.
 Die Bewölkung nimmt noch weiter zu, teilweise hat es auf 20km keine Sonne und entsprechend übervorsichtig bin ich unterwegs.
kurz vorm Gerlos, links die Wildkarspitze
 Besonders vorm Gerlos nehm ich das Gas völlig raus und kurbel geduldig 1m aus um möglichst hoch die Gleitstrecke übers Zillertal zu schaffen.


kurz vor Mayrhofen - Wende
 nach der Wende finde ich eine schwache Welle mitten überm Tal, die ich nutze um ein paar Meter draufzupacken. Tief übern Gerlos ist nun nichts was ich an Erfahrungen dazu fügen möchte.

in der Welle

Blick Richtung Gerlos, da muss ich drüber

Abschlussbart
 Leider ist auch mein letzter Bart, der Final Glide bringt, nicht besonders stark. Als ich 200m Plus hab flieg ich ab, was wieder nicht so schlau war. Durch den Nordwind steht eine Welle über dem ganzen Ennstal und so bring ich die Höhe bis zum Zielkreis trotz gelber Linie nicht mehr weg.
Ich hätte locker mit 200m Minus abfliegen können/müssen.

Final Glide
Ich beende den Tag mit Platz 8/16 und 92km/h Schnitt.
Hätte ich das schneller fliegen können ? Klar, im Nachhinein betrachtet gab es trotz der miesen Optik durchaus gute Bärte und besonders der Endanflug war schlecht.
Viel zu lernen ich noch hab...
Die Landung wieder heftig. Niederöblarn bei Nord ist nix für Anfänger.